Einwohnerzahl: 600
Fläche: 1.271 ha
Seehöhe: 294m
Die Gemeinde Lackendorf liegt an den südlichen Abhängen des Ödenburger Gebirges. An der West- und Ostseite des Ortes ziehen Hügel vorbei, nördlich des Dorfes steigt das Feld leicht an und geht, von Wäldern bedeckt, ins Gebirge über, während im Süden fruchtbares, ebenes Land liegt. Die Landschaft bietet ideale Voraussetzungen für ausgedehnte Rad- und Wanderwege (Freizeitangebot).
Unsere Kirche auf einem dünenartig aufgeschichteten Sandhügel ist ein weithin sichtbares Wahrzeichen, welches 1874 neu erbaut wurde. Lackendorf ist eine Filialkirche von Unterfrauenhaid. Die Nikloskapelle wurde 1994 renoviert. Die Neurenovierung
der Johanneskapelle erfolgte 1995 anlässlich des Umgangs.
Bei uns wird auch qualitativ hervorragender Quarzsand abgebaut. Ringsum Lackendorf findet man zahlreiche Sandgruben.
So liesse sich Lackendorf auch als Sandhochburg der Umgebung beschreiben. Das grösste Grundwasservorkommen des Bezirkes Oberpullendorf auf unserem Hottergebiet ist Spender hochqualitativen Trinkwassers für die Bevölkerung des halben Bezirkes.
Das Postamt Lackendorf wurde 1886 errichtet. Der erste Poststempel trägt die Jahreszahl 1901. Das heutige Postamt wurde 2004 renoviert und um eine Zustellbasis für die umliegenden Gemeinden erweitert.
Die freiwillige Feuerwehr wurde 1890 gegründet. Ein neues und modernes Feuerwehrhaus wurde errichtet.
Durch den Bau des Regenwasserrückhaltebeckens in der Nähe des Ortsgebietes soll ein Naherholungsraum geschaffen werden. Gleichzeitig wird dadurch der Ortskanal entlastet und das Ortsgebiet vor Überschwemmungen bewahrt.
Das neue Gemeindeamt mit dem darin untergebrachten Kindergarten wurde im Juni 1995 seiner Bestimmung übergeben.
Die Lackendorfer Landwirte, die sich in den letzten zwanzig Jahren auf Selbstvermarktung und Milchwirtschaft spezialisiert haben, zählen heute zu den besten und grössten Milchlieferanten Österreichs.
Über die Entstehung des Ortes Lackendorf finden sich keinerlei Anhaltspunkte vor. Der Ursprung des Namens lässt sich auch nicht bestimmen; es gibt zwei Versionen:
Die eine will den Namen daher ableiten, dass an Stelle des Ortes einst eine große Lacke gestanden hat, die keinen Abfluss hatte und um die die Siedlung begonnen hat. Ähnlich soll es auch in Lackenbach gewesen sein, nur das dort die Lacke einen Abfluss hatte, daher der Name Lackenbach. Gegen diese Version aber spricht die Anlage des Ortes, der sich zu beiden Seiten der Landstraße ausdehnt und erst in neuerer Zeit die höheren Punkte besiedelt.
Die zweite Version besagt, dass der Name von Lóok herzuführen wäre. Unterfrauenhaid wird in den alten Schriften als Alsé-Lóok, Lackenbach als Felsó-Lóok bezeichnet, jedoch wird auch eine Ortschaft als Kis-Lóok erwähnt, welchen Namen mit Lackendorf-Lokendorf deutet.
Zur Urgeschichte: Die Geschichte der Gemeinde reicht über die erste urkundliche Nennung vieler Jahrhunderte zurück. Funde von Steinbeilen, Tonkrügen und Spangen von Bronzeschmuck in der Umgebung des Preinerberges und der Insel (Ortsried) deuten darauf hin, dass schon in der jüngeren Steinzeit, Bronze- und Eisenzeit menschliche Siedlungen bestanden. Gräberfunde in der Nähe der Insel und ein mächtiges Mauerwerk von 1,25 m Stärke am vorderen Teil der Kirche geben Zeugnis, dass in der Römerzeit schon fixe Stützpunkte waren.
Urkundliche Nennung: In der ersten urkundlichen Nennung der Gemeinde Lackendorf (1222) wird neben Unterfrauenhaid (villa s. Mariae) auch Lackenbach genannt. Interssanterweise ist damals Lackendorf die bedeutendste Siedlung gewesen. Major-Louku (Groß-Louku) ist Lackendorf, während Minior-Louku (Klein-Louku) das heutige Lackenbach bezeichnet wird.
Die Erwähnung des Namens führt in eine Epoche der mittelalterlichen Geschichte, in das Ende des Hochmittelalters. Der Ungarkönig, Andreas II. schenkte seinem treuen Gespann „POUSA“ ein Stück Land. Die Schenkurkunde ist in lateinischer Schrift abgefasst und beschreibt jenen Gebietsstreifen des geschenkten Landstriches.
Bis zum 15. Jhdt. entwickelte sich der Ort ziemlich rasch. Er unterstand damals dem Grafengeschlecht der Athinai. Die Bewohner waren Leibeigene der Grafen und mussten schwere Frondienste leisten. Einzelne Bauern bekamen ein Stück Land als Lehen, sodass der Ackerbau und die Viehzucht bald den Haupterwerb der Leute bildeten.
Auch noch im 15. Jhdt kommt das Grenzland im Verbande der Donaumonarchie unter dem Habsburger Albrecht zu Österreich.
Durch seinen jähen Tod zerfiel das Reich und die nun folgenden Kämpfe zwischen Friedrich III. und Ungarkönig Matthias Corvinius (er kam sogar bis Wien) brachten diesem Landstrich arge Rückschläge. Zudem kamen 1532 noch die Türken und verwüsteten unsere Siedlung, so mancher Ort wurde niedergebrannt und die Einwohner verschleppt. Die Chronisten berichten von zahlreichen Öden und Wüstungen. In der Folgezeit werden in unserer Gegend Kroaten aus Serbien und zwar aus dem Amselfeld von König Siegmund angesiedelt. Das Amselfeld serb. Kosovo ist ein Gebietsstreif von 70 km Länge, 15 km Breite und liegt 600 m hoch.
Zu den alten Häusern gehören breite Höfe und hinter diesen ein schöner Garten, der mit Obstbäumen, zumeist Zwetschken bepflanzt ist. Die Häuser standen ehemals viel höher als die Straße, sodass die Bauern wenn sie ausfahren wollten den Wagen einschleifen mussten, damit sie ihn das Vieh erhalten konnte. Die Straße lag sehr tief und war in der Frühlings- und Herbstzeit so kotig, im Sommer aber so sandig, dass die Fuhrwerke stecken blieben. In den 50er Jahren hatte das Land die Straße heben lassen, den Untergrund derselben mit Steinen gebaut und so hoch aufgeführt, dass sie stellenweise bis 10 m gehoben erscheint. Seitdem ist sie ein sehr gut befahrbarer, aber auch stark frequentierter Verkehrsweg geworden, die Häuser mussten allerdings neu gebaut und dem Niveau angepasst werden.
Am westlichen Ende des Ortes öffnet sich ein Wildgraben, der bei größeren Regengüssen viel Wassermassen aus dem Wald heranwälzte und das Dorf überschwemmte. Um diesem Übel abzuhelfen, wurde in der Mitte des vorigen Jahrhunderts ein 2 km und 2m tiefer Kanal gegraben, der nun die Wassermassen in die „Sedlitza“ ableitet. Am anderen Ortsende des Dorfes grub man einen zweiten Kanal, der das Dorfwasser auf die Wiesen hinunter leitet. Früher ergoss sich das ganze Wasser durch den kleinen Meiserhof (dürfte das älteste Haus, ca. 600 Jahre alt, gewesen sein) und überflutete die Felder, die dadurch arg gelitten hatten. Jetzt sind die Felder trocken und gehören zu den besten Gründen.
Wenn man aus den Namen der Bewohner auf ihre Beschäftigung schließen kann, so dürften die ersten Ansiedler Holzarbeiter (Pilar), Schuster (Schostarich), Schneider (Krajcsich), Fischer (Ribarich), Bauern (Krall), Soldaten (Soldatich) und noch andere gewesen sein.
Die Gemeinde muss immer arm gewesen sein, was daraus zu schließen ist, dass, als sie einmal in Landsee eine Anleihe von 36 fl. machte, dafür alle Bewohner gutstehen mussten.
Der Hotter der Gemeinde erstreckt sich über 1271 ha. Ursprünglich erstreckte er sich auf das heutige südlich gelegen, ebene Felder und auf anrainende Ried nördlich des Dorfes. Die beiden Sandhügel östlich und westlich waren mit Gestrüpp verwachsen, daher der Name „Gaiza“ (Wäldchen). Gegen Norden dehnte sich der Herrschaftswald aus, in welchem größere Weideplätze waren, auf welchen die Bewohner ihr Vieh austrieben.
Dem Anwachsen der Einwohnerzahl wurde das Feld bald zu klein und man ging daher an das Roden des Waldes; dieser musste der Kultur immer mehr weichen. Die Bezeichnung „Wogiza“ und „Kertsche“ deuten auf diese Rodung hin. In den 50er Jahren (Bauernaufstände) des vorigen Jahrhunderts wurde endlich die Kommassierung vorgenommen, bei welcher der Herrschaftgrund zusammengezogen und der Bauernbesitz geregelt wurde. Die Geldknappheit der damaligen Zeit und nicht minder die Kurzsichtigkeit der Leute brachte es mit sich, dass der Gemeinde wertvolle Bestände an Wald verloren gingen, die um einen minimalen Preis damals abgelöst hätten werden können. Die herrenlosen Grundstücke wurden zusammengefasst als Urbarialbesitz. Der Urbarialbesitz erstreckt sich von einem bis drei Achtel, was bei der Bemessung der Kollektur in Betracht gezogen wurde.
Da die Verdienstmöglichkeit im Orte immer eine geringe war, so haben viele trachten müssen, sich durch Nebenbeschäftigungen das fehlende Einkommen zu besorgen. Zuerst treten die Schweinehändler auf. Söhne aus Bauernhäusern treten in den Dienst der Schweinehändler als Treiber und werden mit der Zeit sogar selbstständig. Einige betreiben das Fuhrwerk. Beide Einnahmequellen versiegen, als die Bahn (1908) zu befördern begann. Jetzt wenden sich viele dem Handwerk zu und zwar lernen die meisten das Maurerhandwerk.
Als gewissenhafte und fleißige Arbeiter sind sie überall gerne gesehen und verdienen so den Lebensunterhalt für die Familie, während die Frauen mit den Kindern daheim das Feld bestellen und die Grundnahrungsmittel erwirtschaften.
Das vom bgld. Landtag beschlossene Gemeindestrukturgesetz (1970) trat am 1.Jänner 1971 in Kraft und hatte zur Folge, dass die Orte Raiding-Unterfrauenhaid und Lackendorf zu einer Großgemeinde zusammengeschlossen werden. Der Zusammenschluss der drei Ortsteile ging hier in Lackendorf nicht reibungslos vorüber. Man wehrte sich mit allen Mitteln, es half aber nichts. Bestimmte Strömungen im Ort wollten sich unbedingt mit Lackenbach vereinen; zur Bekräftigung dieses Wollens wurde sogar eine Volksbefragung durchgeführt. Gemeinderäte beider Fraktionen (SPÖ-ÖVP) besuchten jedes Haus um viele Unterschriften zu erhalten.
Die vorher eingeleitete Propaganda hatte ihre Wirkung nicht verfehlt, denn die Unterschriftensammlung lautete: 303 Unterschriften für den Anschluss nach Lackenbach und nur 6 Unterschriften für Raiding. Mit diesem überwältigendem Ergebnis sprach man bei der bgld. Landesregierung vor, wo die Vertreter überhaupt nicht angehört wurden, denn die Zusammenlegung der drei Orte war schon eine beschlossene Sache. Als die Namensgebung der zusammengeschlossenen Gemeinden kam, dürften die im Gemeinderat von Lackendorf vertreten waren nicht aufgepasst haben, sodass der Name Lackendorf im Gemeindenamen nicht aufgenommen wurde. Der neue Gemeindename lautete: Großgemeinde Raiding-Unterfraudenhaid! Diese Entscheidung war für den Ortsteil sehr bitter und war immer ein Stachel im Zusammenleben.
An der Spitze der Großgemeinde stand der Bürgermeister Johann Hatwagner aus Unterfrauenhaid. Ihm zur Seite standen die beiden Vizebürgermeister Alois Nöhrer und Franz Iby aus Raiding. In jedem Ortsteil wurde zusätzlich auch ein Ortsvorsteher bestimmt. Für Lackendorf war dies Herr Bader Franz. Als Gemeinderäte waren außerdem Bauer Ernst sen., Friedl Franz (ÖVP) und Bauer Karl, Franschitz Josef und Sellmeister Erich (SPÖ) tätig.
Als erstes gemeinsames Vorhaben wurde die Errichtung der Leichenhallen in den jeweiligen Friedhöfen beschlossen. Sie wurden in kürzester Zeit erbaut. Jeder Bürger der Gemeinde wurde mit einem Betrag von S 1500.- belastet, säumige Zahler können heute noch belangt werden.
Anfangs der 70er Jahre wurde die Ortsdurchfahrt vom Bund neu gestattet und gleichzeitig eine Nebenfahrbahn errichtet. Auf dem Bausektor tat sich überhaupt nichts, denn es standen keine weiteren Bauplätze mehr zur Verfügung. Doch wer noch bauen wollte, dem wurde keine Baubewilligung erteilt und so entschieden sich diese wegzuziehen.
Erst späteren Gemeindevätern war es vorbehalten neue Siedlungsgebiete zu erschließen. Nach zähen Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern konnten etwa 30 Hausplätze in der Rosengasse vergeben werden. Der Preis von S 60 000,- war so niedrig gehalten, um einen raschen Hausbau zu ermöglichen. Innerhalb weniger Jahre war eine neue, schöne Siedlung entstanden. Mit den Plätzen in der Rosengasse war der Baubedarf jedoch noch nicht gedeckt und so entschloss sich die Gemeinde neue Grundstücke am Graben zu erwerben. Von neuem setzte ein Bauboom ein und die Abwanderung konnte verhindert werden.
In den folgenden Jahren hat sich die Parteienlandschaft im Lande verändert. Zu den beiden Großparteien kam eine dritte hinzu, die FPÖ. Diese neue Konstellation brachte neue Ideen hervor und begann auch Lockerungen im Gemeindestrukturgesetz zu ermöglichen.
Die Annahme, der Ortsteil Lackendorf werde schon seit seiner Zusammenlegung (1971) stiefmütterlich behandelt, fand bald kräftigen Nährboden und der Ruf, der Ortsteil will wieder selbstständig werden, war nicht mehr zu überhören.
Eine allein in Lackendorf durchgeführte Unterschriftenaktion genügte um die allgemeine Auflösungsstimmung zu bestätigen. Auch in den beiden anderen Gemeinden herrschte diese Stimmung und so kam es letztendlich auch zur Trennung der Großgemeinde.